Google Maps gehört zu den praktischsten Apps auf dem Smartphone, doch gleichzeitig entpuppt sie sich als heimlicher Stromfresser. Selbst wenn die Navigations-App geschlossen bleibt, schmilzt der Akku dahin. Der Schuldige? Eine versteckte Funktion namens WLAN-Scanning, die permanent im Hintergrund läuft und nach verfügbaren Netzwerken sucht. Das geschieht sogar dann, wenn das WLAN komplett deaktiviert ist. Das Ergebnis: Ein leerer Akku am Nachmittag und ein erhöhter Datenverbrauch, der die mobile Flatrate belastet.
Die Technik hinter dem Stromverbrauch
Google nutzt diese Funktion zur Verbesserung der Standortgenauigkeit. Die App greift auf verfügbare WLAN-Netzwerke in der Umgebung zurück, um die Position präziser zu bestimmen als mit GPS allein. In dichten Innenstädten oder Gebäuden mit dicken Wänden stößt die reine Satellitentechnik nämlich an ihre Grenzen. Deshalb kombiniert Google Maps GPS-Daten mit Informationen von Mobilfunkmasten und WLAN-Netzwerken.
Das Problem: Diese Standortermittlung arbeitet auch dann weiter, wenn das WLAN bewusst ausgeschaltet wurde. Das Smartphone durchsucht kontinuierlich die Umgebung nach Netzwerken, ohne sich tatsächlich zu verbinden. Dieser Prozess aktiviert regelmäßig Hardware-Komponenten, die eigentlich im Ruhemodus sein sollten, und treibt den Stromverbrauch in die Höhe.
Was das Hintergrund-Scanning wirklich kostet
Die Auswirkungen werden erst bei genauerer Betrachtung deutlich. Das dauerhafte WLAN-Scanning erhöht den Akkuverbrauch erheblich. Bei manchen Geräten lässt sich die Akkulaufzeit durch entsprechende Einschränkungen sogar um das Zehnfache verbessern. Gerade ältere Smartphones mit geschwächter Batterie leiden massiv unter dieser Funktion.
Doch es betrifft nicht nur den Akku. Das kontinuierliche Scannen erfordert regelmäßige Kommunikation zwischen Google Maps und den Servern, um die gesammelten Daten zu synchronisieren. Dabei werden Datenpakete über die mobile Internetverbindung verschickt. Bei aktiver Navigation verbraucht Google Maps etwa 2 bis 4 Megabyte pro Minute, was sich auf rund 120 Megabyte pro Stunde summiert. Das Hintergrund-Scanning arbeitet zwar sparsamer, trägt aber dennoch zum Gesamtverbrauch bei.
Warnsignale erkennen
Einige Anzeichen verraten, dass das WLAN-Scanning aktiv ist:
- Das Smartphone wird auch bei normaler Nutzung ungewöhnlich warm, besonders in der Tasche
- Die Akkulaufzeit hat sich merklich verschlechtert, ohne dass mehr Apps genutzt werden
- In den Akku-Statistiken taucht Google Maps als Stromfresser auf, obwohl die App kaum geöffnet wird
- Das mobile Datenvolumen sinkt schneller als erwartet, trotz gleichbleibender Nutzungsgewohnheiten
WLAN-Scanning deaktivieren
Die gute Nachricht: Die Funktion lässt sich mit wenigen Handgriffen abstellen. Der Weg dorthin unterscheidet sich je nach Android-Version leicht, folgt aber im Wesentlichen demselben Prinzip.
Schritt für Schritt zur Lösung
Zunächst die Einstellungen des Smartphones öffnen. Dann zum Menüpunkt „Standort“ oder „Biometrische Daten und Sicherheit“ navigieren. Die genaue Bezeichnung variiert je nach Hersteller. Dort findet sich meist ein Unterpunkt namens „WLAN-Suche“ oder „WLAN-Scanning“, der deaktiviert werden sollte. Bei manchen Geräten versteckt sich diese Einstellung auch unter „Erweitert“ im WLAN-Menü selbst.
Samsung-Nutzer finden die Funktion oft unter „Einstellungen > Standort > Standortgenauigkeit verbessern“. Dort lassen sich sowohl das WLAN-Scanning als auch das Bluetooth-Scanning einzeln steuern. Ja, auch Bluetooth wird für ähnliche Zwecke genutzt und sollte überprüft werden.

Weitere Optimierungen für maximale Akkuschonung
Wer bereits dabei ist, sollte gleich noch weitere stromhungrige Funktionen überprüfen. In den App-Einstellungen von Google Maps lässt sich unter „Standorteinstellungen“ die Genauigkeit anpassen. Die Option „Hohe Genauigkeit“ verbraucht deutlich mehr Energie als „Akkusparmodus“. Für die meisten Navigationsaufgaben reicht die mittlere Einstellung völlig aus.
Auch die Funktion „Standortverlauf“ verdient einen kritischen Blick. Google zeichnet damit kontinuierlich auf, wo man sich aufhält. Das mag für personalisierte Empfehlungen praktisch sein, kostet aber zusätzlich Akku und sendet regelmäßig Daten. Wer diese Funktion nicht zwingend benötigt, sollte sie deaktivieren.
Gibt es Nachteile beim Deaktivieren?
Die ehrliche Antwort lautet: minimal. Die Standortgenauigkeit kann in bestimmten Situationen leicht abnehmen, besonders in dichten urbanen Gebieten oder innerhalb von Gebäuden. In der Praxis merken die meisten Nutzer jedoch keinen Unterschied. GPS ist mittlerweile präzise genug für praktisch alle Navigationsaufgaben.
Ein Szenario, in dem das WLAN-Scanning tatsächlich hilft, sind Einkaufszentren oder große Bahnhöfe. Dort kann die Ortung über WLAN-Netzwerke schneller eine Position ermitteln als GPS, das durch Decken und Wände blockiert wird. Für solche Fälle lässt sich die Funktion temporär wieder aktivieren, oder man akzeptiert einfach eine leicht verzögerte Positionsbestimmung.
Zusätzliche Stellschrauben für bessere Performance
Das Deaktivieren des WLAN-Scannings ist nur ein Baustein für optimale Smartphone-Performance. Google Maps bietet weitere Möglichkeiten zur Optimierung. Die Offline-Karten-Funktion beispielsweise reduziert den Datenverbrauch erheblich. Wer die Karten häufig besuchter Gebiete herunterlädt, sorgt dafür, dass Google Maps während der Navigation deutlich weniger Daten nachladen muss.
Auch die Navigationsstimme lässt sich optimieren. Unter „Einstellungen > Navigation > Lautstärke“ kann festgelegt werden, dass Ansagen nur bei wichtigen Abbiegungen erfolgen. Das spart zwar primär Nerven, aber auch minimal Akku, da der Lautsprecher seltener aktiviert wird.
Ein unterschätzter Akkufresser ist die automatische Tag-Nacht-Umschaltung basierend auf der Tageszeit. Besser ist es, manuell auf den Nachtmodus umzustellen, wenn er gebraucht wird. Das permanente Prüfen der Uhrzeit und Anpassen der Helligkeit verbraucht mehr Energie als nötig.
Datenschutz als positiver Nebeneffekt
Neben Akku und Datenvolumen gibt es noch einen weiteren Vorteil beim Deaktivieren des WLAN-Scannings: verbesserten Datenschutz. Jedes WLAN-Netzwerk hat eine eindeutige MAC-Adresse, die wie ein Fingerabdruck funktioniert. Durch das Scannen dieser Netzwerke erstellt Google ein detailliertes Bewegungsprofil. Auch wenn Google beteuert, diese Daten anonymisiert zu verwenden, gilt: Wer die Funktion nicht braucht, sollte sie nicht aktiviert lassen.
Die Kombination aus deaktiviertem WLAN-Scanning, angepasstem Standortverlauf und gespeicherten Offline-Karten verwandelt Google Maps von einem Akku-Monster in ein effizientes Navigationswerkzeug. Die paar Minuten für die Einrichtung zahlen sich täglich aus in Form von länger durchhaltenden Akkus, geschontem Datenvolumen und mehr Kontrolle über die Privatsphäre. Die Veränderung bei der Akkulaufzeit wird spürbar sein.
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