Wer gerne italienisch kocht oder Pizza und Caprese liebt, greift regelmäßig zu Mozzarella. Doch beim vermeintlichen Schnäppchen im Sonderangebot lohnt sich ein genauer Blick auf die Verpackung. Denn was auf den ersten Blick wie eine attraktive Preisreduzierung aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung oft als geschickt kaschierte Mogelpackung. Die Hersteller nutzen dabei einen psychologischen Trick: Sie reduzieren die Füllmenge, während der Preis konstant bleibt oder nur minimal sinkt.
Das Phänomen der schleichenden Gewichtsreduzierung
Diese Praxis, auch Shrinkflation genannt, ist bei vielen Lebensmitteln dokumentiert. Die Verbraucherzentrale Hamburg erfasste eine durchschnittliche versteckte Preiserhöhung von 28,4 Prozent bei den dokumentierten Mogelpackungen, während die offizielle Teuerungsrate für Nahrungsmittel lediglich 2,1 Prozent betrug. Im Vorjahr wurden 77 neue Produkte in die Mogelpackungsliste aufgenommen – die zweithöchste Zahl seit Erhebungsbeginn.
Besonders perfide wird diese Strategie, wenn sie mit Angebotsaktionen kombiniert wird. Der Kunde sieht ein rotes Preisschild mit einem vermeintlich reduzierten Betrag und greift zu, ohne die tatsächliche Grammzahl zu überprüfen. Dabei zahlt er pro 100 Gramm oft sogar mehr als vor der vermeintlichen Rabattaktion. Was wie ein cleverer Deal wirkt, erweist sich beim genauen Hinsehen als Täuschungsmanöver, das gezielt unsere Kaufgewohnheiten ausnutzt.
Warum gerade Produkte in Lake betroffen sind
Mozzarella und ähnliche Produkte eignen sich aus Herstellersicht besonders gut für diese Art der Mengenreduzierung. Der Käse schwimmt in Lake, was die tatsächliche Produktmenge verschleiert. Die weiße, opake Verpackung verhindert den direkten Blick auf die Größe des Inhalts. Zudem gibt es keine einheitliche Standardgröße, die Verbraucher als Referenz nutzen könnten – Kugeln, Stangen, Scheiben und verschiedene Qualitätsstufen erschweren den direkten Vergleich zusätzlich.
Ein weiterer Aspekt: Mozzarella wird häufig spontan gekauft, oft als Zutat für ein geplantes Gericht. In solchen Situationen achten Käufer weniger auf Details und konzentrieren sich hauptsächlich auf den Preis. Diese Kaufpsychologie nutzen Hersteller gezielt aus, denn wer schnell einkauft, vergleicht selten den Grundpreis.
Wie Sie die versteckte Mengenreduzierung erkennen
Der wichtigste Indikator findet sich auf dem Preisschild im Regal: der Grundpreis. Dieser gibt an, wie viel 100 Gramm oder ein Kilogramm des Produkts kosten. Nur durch den Vergleich dieses Wertes lässt sich tatsächlich feststellen, ob ein Angebot wirklich günstig ist oder ob Sie draufzahlen. Klingt banal, wird aber im Einkaufsstress oft ignoriert.
Praktische Erkennungsmerkmale
- Neue Verpackungsdesigns: Wird eine vertraute Verpackung plötzlich modernisiert, steckt oft eine Mengenreduzierung dahinter. Das neue Design soll von der Änderung ablenken.
- Formulierungen wie neue Rezeptur oder verbessertes Produkt: Solche Hinweise können legitime Produktverbesserungen signalisieren, dienen aber manchmal als Ablenkungsmanöver für Mengenänderungen.
- Ungewöhnliche Zahlen: Packungen mit 230 Gramm statt 250 Gramm oder 180 Gramm statt 200 Gramm sind klassische Indizien für Mogelpackungen.
Konkrete Beispiele aus der Mogelpackungsliste
Die Verbraucherzentrale Hamburg dokumentiert regelmäßig besonders dreiste Fälle. Bei Milka Schokolade schrumpfte der Inhalt von 100 Gramm auf 90 Gramm, was einer versteckten Preiserhöhung von 48 Prozent entspricht. Die Dr. Oetker Backmischung reduzierte sich von 730 Gramm auf 370 Gramm – eine Steigerung um 87,4 Prozent. Beim Kölln Müsli ging es von 1.700 Gramm auf 1.050 Gramm zurück, was 29,5 Prozent mehr Kosten bedeutet. Jacobs Kaffeesticks schrumpften von 180 Gramm auf 120 Gramm, eine Erhöhung um 56 Prozent.
Solche drastischen Beispiele zeigen, wie erheblich die versteckten Preiserhöhungen ausfallen können. Die Methode zieht sich durch nahezu alle Produktkategorien des täglichen Bedarfs – von Süßigkeiten über Käse bis hin zu Waschmitteln.

Die rechtliche Grauzone und ihre Tücken
Grundsätzlich dürfen Hersteller die Füllmenge ihrer Produkte frei bestimmen, solange diese korrekt deklariert wird. Die Angabe des Nettoinhalts ist gesetzlich vorgeschrieben und muss gut lesbar sein. Was jedoch nicht verboten ist: Die Verpackungsgröße beizubehalten, während der Inhalt schrumpft. Auch darf die Reduzierung optisch kaschiert werden, etwa durch dickere Verpackungsmaterialien oder veränderte Formen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert deshalb verpflichtende Kennzeichnung von Mengenreduktionen auf der Verpackung, gut sichtbare Hinweisschilder im Handel und Verpackungen, die dem tatsächlichen Inhalt entsprechen. Eine neue EU-Verpackungsverordnung soll Mogelpackungen ab 2030 verhindern, ist aber bislang in Deutschland nicht umgesetzt. Bis dahin bleibt Eigeninitiative der einzige wirksame Schutz.
Strategien für den bewussten Einkauf
Mit einigen einfachen Gewohnheiten schützen Sie sich vor versteckten Preissteigerungen. Fotografieren Sie gelegentlich die Mengenangaben Ihrer Standardprodukte oder notieren Sie diese. So bemerken Sie Änderungen sofort beim nächsten Einkauf. Das mag anfangs umständlich erscheinen, zahlt sich aber aus.
Vergleichen Sie verschiedene Darreichungsformen. Manchmal ist loser Mozzarella an der Frischetheke günstiger als abgepackte Varianten. Auch die großen Familienpackungen bieten oft einen besseren Kilopreis als kleine Portionen – vorausgesetzt, Sie können die Menge auch verbrauchen. Ignorieren Sie optische Rabattsignale komplett. Rote Preisschilder, Sonderangebot-Aufkleber oder Aktionsbanner sind Marketinginstrumente. Verlassen Sie sich ausschließlich auf den Grundpreis für Ihre Kaufentscheidung.
Wenn Sie eine fragwürdige Mengenreduzierung entdecken, können Sie diese bei Verbraucherzentralen melden. Viele Organisationen führen Listen bekannter Mogelpackungen, die öffentlich zugänglich sind und andere Verbraucher warnen. Ihre Meldung trägt dazu bei, das Problem sichtbar zu machen.
Das Ausmaß des Problems
Eine Studie des Portals Lebensmittelklarheit zeigt, dass 76 Prozent der Deutschen sich durch versteckte Preiserhöhungen getäuscht fühlen. Diese Zahl verdeutlicht, wie verbreitet das Problem ist und wie viele Verbraucher bereits negative Erfahrungen gemacht haben. Es geht längst nicht mehr um Einzelfälle, sondern um eine systematische Praxis.
Besonders bei Produkten mit häufig wechselnden Packungsgrößen oder solchen, die in Lake, Sauce oder Öl eingelegt sind, lohnt sich erhöhte Wachsamkeit. Hier lässt sich die tatsächliche Produktmenge besonders schwer einschätzen. Mozzarella ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.
Was Verbraucher langfristig tun können
Individuelle Wachsamkeit ist wichtig, doch strukturelle Veränderungen erfordern kollektives Handeln. Kaufen Sie bewusst weniger von Herstellern, die wiederholt durch Mogelpackungen auffallen. Mundpropaganda und Online-Bewertungen können anderen Käufern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Jeder bewusste Verzicht sendet ein Signal.
Unterstützen Sie außerdem politische Initiativen, die mehr Transparenz fordern. Denkbar wären beispielsweise verpflichtende Hinweise bei Mengenänderungen oder standardisierte Mindestgrößen für bestimmte Produktkategorien. Je mehr Verbraucher ihre Stimme erheben, desto größer wird der Druck auf Hersteller und Gesetzgeber.
Der nächste Griff zum Mozzarella im Kühlregal muss kein Blindflug mehr sein. Mit geschärftem Blick für Mengenangaben und Grundpreise verwandeln Sie sich vom passiven Käufer zum mündigen Verbraucher, der Mogelpackungen durchschaut und sein Geld dort investiert, wo echte Qualität zu fairen Konditionen geboten wird. Die Tricks der Hersteller funktionieren nur so lange, wie wir sie nicht durchschauen.
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