Das sind die 5 Kleidungsstile, die am häufigsten von Menschen mit geringem Selbstwertgefühl gewählt werden, laut Psychologie

Dein Kleiderschrank verrät mehr über dich, als dir lieb ist – diese 5 Styles sprechen Bände

Kennst du das? Du stehst morgens verschlafen vor deinem Kleiderschrank, greifst zur dritten schwarzen Jogginghose in Folge oder zum fünften übergroßen Hoodie diese Woche und denkst dir: „Passt schon.“ Aber mal ehrlich – passt es wirklich? Oder versteckst du dich gerade hinter Stoff, ohne es überhaupt zu merken?

Die Art, wie wir uns kleiden, ist nämlich alles andere als zufällig. Psychologen haben in den letzten Jahren immer mehr Beweise dafür gefunden, dass unsere Klamottenwahl ziemlich viel darüber aussagt, wie wir uns selbst sehen. Und wenn das Selbstwertgefühl gerade im Keller ist? Dann greifen wir oft zu bestimmten Kleidungsmustern, die uns zwar kurzfristig schützen sollen, langfristig aber genau das Gegenteil bewirken.

Das Konzept dahinter heißt „Enclothed Cognition“ – ein Begriff, den die Psychologen Hajo Adam und Adam Galinsky 2012 geprägt haben. Ihre Forschung zeigte, dass Kleidung nicht nur beeinflusst, wie andere uns wahrnehmen, sondern auch, wie wir selbst denken und fühlen. In einem berühmten Experiment ließen sie Probanden einen weißen Kittel tragen. Wenn die Teilnehmer glaubten, es sei ein Arztkittel, schnitten sie bei Aufmerksamkeitstests deutlich besser ab. Beim gleichen Kittel als „Malerkittel“ blieb dieser Effekt aus. Die Symbolik unserer Kleidung aktiviert also tatsächlich bestimmte mentale Schemata in unserem Kopf.

Was bedeutet das für deinen Alltag? Wenn du ständig Klamotten trägst, die dich verstecken, klein machen oder einfach nicht zu dir passen, sendet das ein Signal an dein Gehirn: „Ich bin es nicht wert, gesehen zu werden.“ Und genau dieser Mechanismus kann ein richtiger Teufelskreis werden.

Eine Studie der Frankfurt School of Finance and Management brachte es auf den Punkt: Menschen, die Kleidung tragen müssen, in der sie sich unwohl fühlen, zeigen messbar geringeres Selbstbewusstsein. Und umgekehrt fand eine Untersuchung von TK Maxx heraus, dass satte 80 Prozent der Befragten sich deutlich selbstbewusster fühlten, wenn sie einen authentischen, zu ihrer Persönlichkeit passenden Stil trugen. Die Message ist also klar: Deine Klamotten können dich pushen – oder sie können dich runterziehen.

Schauen wir uns also mal fünf Kleidungsmuster an, die oft bei Menschen auftauchen, deren Selbstwertgefühl gerade nicht so pralle ist. Wenn du dich in einem oder mehreren davon wiedererkennst, ist das kein Grund zur Panik – aber vielleicht ein sanfter Stupser, mal genauer hinzuschauen.

Style Nummer 1: Der wandelnde Kartoffelsack – wenn alles drei Nummern zu groß ist

Oversized ist ja gerade mega angesagt, klar. Aber es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen einem stylischen, bewusst gewählten Oversized-Look und dem verzweifelten Griff zum XXXL-Hoodie, der deinen kompletten Körper verschluckt wie ein textiler Schutzpanzer.

Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl nutzen oft absichtlich zu große, formlose Kleidung als Versteck. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn ich meinen Körper nicht zeige, kann auch niemand ihn kritisieren. Das Problem? Diese Strategie backfired meistens. Studien zur Körperwahrnehmung zeigen nämlich, dass das permanente Verstecken hinter zu weiter Kleidung das negative Körperbild eher verstärkt als lindert. Du trainierst dein Gehirn quasi darauf, dass dein Körper etwas ist, das man besser verstecken sollte.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 fand sogar heraus, dass Frauen mit Körperbildproblemen sich tatsächlich wohler fühlten, als sie begannen, etwas engere, körperbetontere Kleidung zu tragen. Die Konfrontation mit dem eigenen Körper – in einem sicheren, selbstbestimmten Rahmen – half ihnen, eine positivere Beziehung zu sich selbst aufzubauen.

Natürlich gibt es total legitime Gründe für bequeme, weite Klamotten. Niemand muss den ganzen Tag in unbequemer Kleidung rumlaufen. Aber wenn du mal ehrlich zu dir selbst bist und merkst, dass du diese Oversized-Teile nicht trägst, weil du dich darin gut fühlst, sondern weil du dich dahinter verstecken willst – dann ist das ein Zeichen, dass da mehr im Busch ist.

Style Nummer 2: Die wandelnde Beerdigung – wenn der Kleiderschrank nur aus Schwarz, Grau und Navy besteht

Schwarz ist elegant, schwarz macht schlank, schwarz passt zu allem – die Argumente kennen wir alle. Und ja, viele super selbstbewusste Menschen tragen hauptsächlich Schwarz. Wenn dein kompletter Kleiderschrank aber aussieht wie das Merchandising einer Gothic-Band, ohne dass du zur Szene gehörst, könnte das andere Gründe haben.

Die Farbpsychologie zeigt ziemlich eindeutig: Menschen mit geringem Selbstwertgefühl greifen häufiger zu dunklen, gedeckten Farben – nicht wegen des Stils, sondern aus dem tiefen Bedürfnis heraus, nicht aufzufallen. Dunkle Töne sind wie ein Tarnanzug: „Schau mich nicht an, ich bin zwar hier, aber eigentlich auch nicht.“

Eine spannende Studie aus 2018 mit über hundert Frauen zeigte, dass das Tragen von roter Kleidung das Selbstwertgefühl messbar steigerte – im krassen Gegensatz zu dunklen Farbtönen. Warum? Weil Farben eine direkte emotionale Wirkung haben, sowohl auf uns selbst als auch auf unsere Umgebung. Helle, lebendige Farben signalisieren unserem Gehirn: „Ich bin es wert, gesehen zu werden.“ Dunkle Töne dagegen können – wenn sie zur Gewohnheit werden – genau das Gegenteil bewirken.

Das heißt nicht, dass du ab morgen nur noch in Neonpink rumlaufen musst. Aber wenn dein Kleiderschrank aussieht wie ein monochromatisches Kunstprojekt in Grautönen und du dich dabei auch nicht besonders großartig fühlst, könnte ein Farbtupfer Wunder wirken.

Style Nummer 3: Der Pfau auf Koks – wenn jedes Outfit schreit „SCHAUT MICH AN“

Jetzt wird es interessant, denn nicht alle Menschen mit geringem Selbstwertgefühl verstecken sich. Manche machen das komplette Gegenteil: Sie werfen sich in die schrillsten, auffälligsten, provokantesten Outfits, die sie finden können – nicht weil sie sich darin wirklich wohlfühlen, sondern weil sie verzweifelt nach Bestätigung suchen.

Dieses Phänomen nennt man in der Psychologie Überkompensation. Das Konzept geht auf Alfred Adler zurück, einen der Gründerväter der Tiefenpsychologie. Seine Theorie besagt, dass Menschen versuchen, gefühlte Minderwertigkeiten durch übertriebenes Verhalten in die entgegengesetzte Richtung auszugleichen. In der Mode äußert sich das durch extrem gewagten Style, riesige Markenlogos oder übertrieben sexy Kleidung – alles im verzweifelten Versuch, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erzwingen.

Das fiese daran? Diese Art von Aufmerksamkeit fühlt sich niemals richtig gut an. Sie füttert das Ego nur kurz, weil sie nicht auf echter Selbstakzeptanz basiert, sondern auf einer Performance. Menschen, die in diesem Muster feststecken, berichten oft, dass sie sich trotz – oder gerade wegen – der ganzen Aufmerksamkeit leer und unverstanden fühlen. Die Likes auf Instagram fühlen sich zwar nice an, aber die innere Leere bleibt.

Style Nummer 4: Der Dresscode-Gefangene – wenn du dich anziehst wie jemand, der du nicht bist

Hier wird es subtil. Vielleicht trägst du ja gar keine extremen Oversized-Teile oder Neon-Outfits. Vielleicht siehst du von außen ganz „normal“ aus. Aber wenn du ehrlich bist: Fühlst du dich in deiner Kleidung wie du selbst? Oder trägst du, was andere von dir erwarten?

Die erwähnte Frankfurt School-Studie brachte einen krassen Punkt ans Licht: Menschen, die sich einem Dresscode unterwerfen müssen, der nicht zu ihrer Persönlichkeit passt, entwickeln messbar geringeres Selbstbewusstsein. Das gilt nicht nur für steife Büro-Outfits. Es betrifft auch die brave Bluse, die du trägst, weil deine Mutter meint, das sei „anständig“. Oder die Skinny Jeans, in die du dich quetschst, weil alle in deinem Freundeskreis sie tragen, obwohl du dich darin total unwohl fühlst.

Menschen fühlen sich am selbstbewusstesten, wenn ihr Stil authentisch ist – also wirklich zu ihrer echten Persönlichkeit passt. Wer permanent eine textile Rolle spielt, beraubt sich dieser psychologischen Stärkung. Die Kleidung wird zum täglichen Reminder: „Ich bin nicht gut genug, so wie ich bin.“

Style Nummer 5: Der „Mode-interessiert-mich-nicht“-Typ – wenn Vermeidung zur Strategie wird

Und dann gibt es noch die Menschen, die sagen: „Mode interessiert mich einfach nicht“ – aber eigentlich meinen: „Ich traue mich nicht, mich damit auseinanderzusetzen.“ Diese Vermeidungsstrategie ist subtiler als alle anderen Muster, aber nicht weniger aussagekräftig.

Menschen mit sehr niedrigem Selbstwertgefühl meiden manchmal jede Form der bewussten Selbstinszenierung, weil sie tief drinnen überzeugt sind, ohnehin nicht attraktiv oder interessant genug zu sein, um es zu „verdienen“, gut auszusehen. Sie tragen einfach, was praktisch ist, was gerade da ist, was billig war – ohne jeden Gedanken an die psychologische Wirkung dieser Entscheidungen.

Die Forschung zeigt aber eindeutig: Die Vernachlässigung der eigenen äußeren Erscheinung wirkt sich negativ auf das Selbstbild aus. Es ist ein Teufelskreis: Geringes Selbstwertgefühl führt zu Vernachlässigung, was wiederum das negative Selbstbild verstärkt. Und bevor jetzt jemand schreit „Oberflächlichkeit!“ – nein, es geht nicht darum, oberflächlich zu sein. Es geht um Selbstfürsorge und die simple Erkenntnis, dass auch du es wert bist, dich in deiner Haut wohlzufühlen.

Okay, und jetzt? Was mache ich mit dieser Information?

Falls du dich in einem oder mehreren dieser Muster wiedererkannt hast, keine Panik. Das ist kein Grund, deinen kompletten Kleiderschrank aus dem Fenster zu werfen oder dich zu schämen. Es ist einfach eine Einladung, mal genauer hinzuschauen.

Die gute Nachricht ist nämlich: Wenn Kleidung dein Selbstwertgefühl negativ beeinflussen kann, funktioniert das auch andersherum. Die TK Maxx-Studie zeigte, dass 80 Prozent der Menschen eine deutliche Steigerung ihres Selbstbewusstseins erlebten, als sie begannen, einen authentischen, zu ihrer Persönlichkeit passenden Stil zu entwickeln. Das bedeutet nicht, dass du jetzt zum Fashion-Victim werden musst oder teure Designerklamotten kaufen sollst. Es bedeutet einfach: Triff bewusste Entscheidungen.

Du fragst dich vielleicht immer noch: Ist das nicht alles ein bisschen übertrieben? Es ist doch nur Kleidung! Aber genau hier liegt der Punkt: Es ist eben nicht nur Kleidung. Jahrzehnte psychologischer Forschung zeigen, dass unsere äußere Erscheinung untrennbar mit unserer inneren Verfassung verbunden ist. Die symbolische Bedeutung dessen, was wir tragen, aktiviert bestimmte mentale Schemata. Wenn du dich also in versteckender, dunkler oder unauthentischer Kleidung hüllst, aktivierst du unbewusst mentale Muster von Unsicherheit, Rückzug oder Unechtheit. Dein Gehirn registriert: „Ich muss mich verstecken“ oder „Ich bin nicht gut genug, so wie ich bin“ – und das verstärkt genau diese Überzeugungen.

Aber die Auseinandersetzung mit deiner Kleiderwahl ist kein oberflächlicher Mode-Trip. Es ist ein Fenster zu deinem inneren Erleben. Wenn du merkst, dass du dich tatsächlich in einem oder mehreren der beschriebenen Muster wiederfindest, ist das eine Einladung, tiefer zu graben. Frag dich: Woher kommt das Bedürfnis, dich zu verstecken? Gab es in deiner Vergangenheit Situationen, in denen du für dein Aussehen kritisiert wurdest? Hast du gelernt, dass es sicherer ist, nicht aufzufallen? Oder umgekehrt: Musstest du schon immer besonders laut sein, um überhaupt wahrgenommen zu werden?

Hier sind ein paar konkrete Schritte, die du heute noch umsetzen kannst:

  • Das Kleidungs-Journal: Schreib eine Woche lang auf, was du täglich trägst und wie du dich dabei fühlst. Gibt es Muster? Outfits, in denen du dich besser fühlst?
  • Die Farb-Challenge: Wenn dein Schrank hauptsächlich aus Schwarz und Grau besteht, kauf dir bewusst ein einziges farbiges Teil und beobachte, wie es sich anfühlt, es zu tragen.
  • Der Authentizitäts-Check: Stell dir bei jedem Kleidungsstück die Frage: Trage ich das, weil ICH es mag, oder weil ich glaube, dass andere es von mir erwarten?
  • Die Wohlfühl-Regel: Behalte nur Kleidung, in der du dich wirklich gut fühlst. Nicht „geht so“, nicht „ist okay“ – sondern wirklich gut.
  • Baby Steps in sicheren Räumen: Du musst nicht sofort im Büro mit einem komplett neuen Stil aufkreuzen. Probiere neue Looks erst mal zu Hause aus.

Das Wichtigste zum Schluss: Du darfst gesehen werden

Letztendlich geht es nicht darum, dass du ab jetzt „richtig“ gekleidet sein musst oder bestimmte Farben oder Schnitte meiden solltest. Es geht darum zu verstehen: Deine Kleiderwahl ist eine Form der Kommunikation – mit der Welt und vor allem mit dir selbst. Und wenn diese Kommunikation hauptsächlich lautet „Ich bin es nicht wert, gesehen zu werden“ oder „Ich muss jemand anderes sein, um akzeptiert zu werden“, dann ist es vielleicht Zeit für einen Perspektivwechsel.

Die wissenschaftliche Evidenz ist ziemlich eindeutig: Menschen, die sich in ihrer Kleidung wohlfühlen und sich authentisch ausdrücken, haben messbar höheres Selbstwertgefühl, mehr Selbstvertrauen und ein positiveres Selbstbild. Dein Kleiderschrank kann tatsächlich ein Werkzeug für persönliches Wachstum sein – wenn du bereit bist, hinzuschauen.

Also, beim nächsten Mal, wenn du morgens vor deinem Schrank stehst: Nimm dir einen Moment Zeit. Atme tief durch. Und frag dich ehrlich: Was möchte ich heute der Welt zeigen? Und noch wichtiger: Was möchte ich mir selbst zeigen? Denn am Ende des Tages bist du der Mensch, der am längsten in den Spiegel schaut. Mach es dir wert, dass dir gefällt, was du dort siehst.

Deine Kleidung sollte dich stärken, nicht schwächen. Sie sollte ein Ausdruck dessen sein, wer du wirklich bist – nicht ein Versteck vor der Welt oder ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit. Und wenn du gerade noch nicht weißt, wer du wirklich bist? Dann ist das auch okay. Dann kann dein Kleiderschrank ein Spielplatz sein, auf dem du experimentierst, ausprobierst und langsam herausfindest, was sich für dich richtig anfühlt.

Du hast es verdient, dich in deiner Haut wohlzufühlen. Ja, auch du. Auch wenn dein innerer Kritiker dir gerade etwas anderes einredet. Und manchmal beginnt dieser Weg zu mehr Selbstwert mit einem einzigen, bewussten Griff in den Kleiderschrank.

Was verrät dein Lieblingskleidungsstil über dein Selbstbild?
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